Wahrnehmen


Das einzig Wahre

(inspiriert durch einem buddhistischem Text)

Wer meint,

er wäre in auch nur einer Sache

nahe der Wahrheit,

der möge folgendes bedenken:



Nicht alles Gegenwärtige

gelangt zur Betrachtung.

Nicht jede Betrachtung

gelangt zur Anschauung.

Nicht alles Angeschaute

gelangt zur Wahrnehmung.

Nicht alles Wahrgenommene

erreicht das Erkennen.

Nicht alles Erkannte

gelangt zur Annahme.

Nicht alles Angenommene

wird so behalten, wie es ist.



Und selbst dieses Behaltene

schwindet weiter dahin,

denn ständig wandelt es sich

und ständig formt es sich zu dem,

wie wir es gerne hätten.

Daher bleibt uns

selbst von dem,

was uns auf diesem Weg

vom wahren Sein erreicht,

nur noch ein wenig,

was uns an Wahrem kann sein,

daher schätze ein jeder

sein Sehen der Wahrheit:

als klein.



Begegnung mit der Tugend [i]

Wenn einem wahre Tugend

nicht als solche scheint,

obwohl sie warm und mutig wagt,

sich ihm zu offenbaren,

so steht ihm oft

der eigne Hang zum Trug im Weg

und wirft sein eignes

eisiges Geschatt auf sie,

bis er zu spät erkannt,

was er damit vertan.



Aus wessen Dünkeln heraus

wähnt nun wohl erneut

die tiefvertraute Kält

sich wieder jung,

weil sie stets nur

durch ihn allein

zu frischer Jugend findt,

indem sie trübend kühl

in jenem wärmsten Hellen gar

aufs Neue sich entfaltet…



…und danach

in sein müdes Herz

zurück verschwindt,

als bliebe ihm fortan

nichts Bessres mehr

als nur sein kalt Bisher

mit einem fast sehnend Blick

aufs erwünschte Makulate.



Warum eigentlich nicht?

Warum auch nicht,

denk ich manchmal.

Vieleicht zu wenig,

vielleicht auch zu oft.



Denn Reue kommt immer

egal was man tut

doch fehlt es an Mut

wird niemals es gut.



Jeder Fehler bleibt immer

ob kalt oder heiß

ob vom wenig zuviel

oder an Wagnis zu klein.



Bleibt weiter man fern

oder kommt eher selbst

man weiter sich nah -

dieses Fragen lässt man gern -



- denn zuletzt siegt dann doch

dieser eine, eine Moment

über die Schau ins Danach.

Denn nur so: wird uns ein Sein.



Hörig

Ich liege im Gras,

mein Hören so nah,

das Grüne so dicht,

und höre ein Wachsen -

was aber wächst,

das höre ich nicht.



Ein Wachsen der Erde?

Oder auch dessen,

was durch mein Hören

ich werde: ein Hörer

oder ein Hören für mich -

oder hörendes Sein

nur so aus sich?



Oder ich höre

ständiges Werden

des Seins überall,

über und über herum

oder all dessen Werden,

von welchem ich meinte,

es wär wie alle meinen,

während dieses uns wird

oder scheinet zu sein

oder scheint nur zu werden

während immer seiend es war,

indem es sich ständig

nur selber erhört,

und wir diesem hörig

ständig nur meinen,

sein Gehen und Mehren

in ewigem Sein

rauschen zu hör'n.



© Ralf Rabemann
[i] Korrekturgelesenen von einer KI

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texte/gedichte/wahrnehmungen.txt · Zuletzt geändert: 2026/10/19 03:53 von rabemann
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